____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Heinrich Barth
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Johann Heinrich Barth (* 16. Februar 1821cite-ref-1[1] in Hamburg; â 25. November 1865 in Berlin) war ein deutscher Afrikaforscher und Wissenschaftler (Historiker, Geograph, Philologe).
Heinrich Barth gehört nicht zu den bekanntesten Afrikaforschern wie etwa Henry Morton Stanley und David Livingstone, was primÀr damit zusammenhÀngt, dass sein Reisewerk kein Bestseller wurde. Barth wandte sich weniger an das breite Publikum als vielmehr an die Wissenschaftler, vornehmlich die Geographen und Historiker, und lieferte eine detailreiche Reisebeschreibung und lange Exkurse zur Kultur und Geschichte der nord- und westafrikanischen Völker, jedoch keine spannenden Abenteuer, obwohl der Fortgang der Expedition mehrfach durch lebensbedrohliche Situationen gefÀhrdet war. Wegen des geringen zeitgenössischen Interesses an Afrika in Deutschland wurde Barths umfangreiches Werk nur teilweise zur Kenntnis genommen, und sein weit vorausschauendes Konzept einer interdisziplinÀren Afrikawissenschaft wurde erst nach 1950 aufgegriffen. In der Gegenwart gilt er nicht nur als Pionier der Afrikaforschung, sondern auch als einer der wenigen Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts, die den Afrikanern ausgesprochen unvoreingenommen begegneten und bereit waren, beispielsweise mit den Vertretern des afrikanischen Islam in einen interkulturellen Dialog einzutreten. Viele der von Barth erworbenen KunstgegenstÀnde sind heute unter anderem im Ethnologischen Museum (Berlin) aufzufinden.cite-ref-2[2]
Contents
âą Leben
âą Vorbemerkung
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Leben
Jugend und Studium
Heinrich Barth wurde als Sohn eines wohlhabenden Fleischereibesitzers in Hamburg geboren. Bereits zu Ostern 1831 wurde er Mitglied in der Hamburger Turnerschaft von 1816, in die auch Adolf Overweg Anfang Oktober 1837 eintrat.cite-ref-carl-heitmann-3-0[3] Er besuchte zuerst eine Privatschule und wechselte an das renommierte Johanneum, wo er 1839 sein Abitur ablegte. Schon wĂ€hrend seiner Schulzeit zeigten sich eine ausgesprochene Begabung fĂŒr das Erlernen von Fremdsprachen und ein groĂes Interesse an der Antike. Ob er bereits wĂ€hrend der Schulzeit Arabisch lernte, wie zuweilen zu lesen ist, muss bezweifelt werden. Vermutlich erwarb er diese Sprachkenntnisse erst spĂ€ter vor seiner Reise entlang der nordafrikanischen und vorderasiatischen KĂŒste.
Er immatrikulierte sich danach an der UniversitĂ€t zu Berlin, wo er die HauptfĂ€cher Philologie und Geographie belegte, aber auch Vorlesungen und Seminare in Germanistik, Geschichte und Recht besuchte. Seine Interessenschwerpunkte waren ArchĂ€ologie und Handelsgeschichte. Nach einer Studienreise, die ihn bis nach Sizilien fĂŒhrte, promovierte er 1844 bei dem berĂŒhmten Altphilologen August Boeckh mit einer Doktorarbeit ĂŒber die antike Handelsgeschichte im östlichen Mittelmeer, Zweitgutachter der Dissertation war der BegrĂŒnder der modernen Geographie, Carl Ritter. Drei Jahre spĂ€ter, nach einer Studienreise durch Nordafrika und den Vorderen Orient, habilitierte er sich mit einer Arbeit ĂŒber den Mittelmeerraum in der Antike fĂŒr Geographie (inklusive Geschichte der Geographie) an der UniversitĂ€t zu Berlin und wurde Privatdozent. Angesichts der revolutionĂ€ren Ereignisse von 1848, die Barth kaum zur Kenntnis nahm, fanden sich nur wenige Hörer in seinen Vorlesungen und Seminaren ein. Ăberdies war der Dozent kaum in der Lage, seinen Unterrichtsstoff fesselnd und strukturiert vorzutragen. Angesichts der restriktiven Stellenpolitik des preuĂischen Staates eröffnete sich fĂŒr Barth auf absehbare Zeit keine Möglichkeit, zum ordentlichen Professor berufen zu werden. Daher griff er zu, als ihm die Beteiligung an einer britischen Expedition angeboten wurde. Eine unglĂŒckliche Liebesbeziehung, die zuweilen in der biographischen Literatur erwĂ€hnt wird, ist quellenmĂ€Ăig nicht belegt und dĂŒrfte kaum den Ausschlag fĂŒr Barths Entscheidung gegeben haben. Die Expedition stellte ein kalkulierbares Risiko dar, da die Route zum Tschadsee bereits von EuropĂ€ern genutzt worden war und sich als relativ sicher erwiesen hatte: Die Gefahr, an Malaria zu erkranken, schien gering zu sein, und die dort lebenden Völker â vornehmlich Tuareg und Kanuri â hatten sich stets fremdenfreundlich gezeigt.
Nebenher war Barth ein ausgezeichneter Linguist und sprach flieĂend Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, TĂŒrkisch und Arabisch, auĂerdem erlernte er mehrere afrikanische Sprachen. Er hatte es sich auf seiner Afrikareise zur Maxime gemacht, nach Möglichkeit mit den Menschen, mit denen er zusammentraf, in ihrer Landessprache kommunizieren zu können. So beherrschte er mehrere Dialekte des Tamaschaq, der Sprache der Tuareg, die maurisch-arabischen Dialekte Nordwestafrikas, das Hausa, das Fulfulde und das Kanuri.
KurzĂŒberblick ĂŒber die beiden Afrikareisen
Seine erste Afrikareise fĂŒhrte Barth von 1845 bis 1847 entlang der MittelmeerkĂŒste Tunesiens und Libyens und nach Malta. Hierbei interessierte er sich vornehmlich fĂŒr die archĂ€ologischen Spuren der Antike (Phönizier, Griechen und Römer) und noch nicht fĂŒr die Völker Innerafrikas und deren Geschichte und Kultur. Im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Libyen und Ăgypten wurde Barth Opfer eines Ăberfalls, bei dem er einen Teil seiner TagebĂŒcher und vor allem seine Daguerre-Fotokamera einbĂŒĂte. Der Bericht ĂŒber diese Reise, der sich vor allem der Bedeutung Nordafrikas in der antiken Kultur- und Handelsgeschichte widmete, wurde 1847 an der Berliner UniversitĂ€t als Habilitationsschrift anerkannt.
Im Jahre 1849 beauftragte die britische Regierung den Missionar und Abolitionisten James Richardson mit einer Expedition durch die Sahara, die von Tripolis an den Tschadsee fĂŒhren sollte. Da Richardson ĂŒber keine wissenschaftliche Vorbildung verfĂŒgte, wurde Barth durch die Vermittlung des preuĂischen Botschafters in London, des Freiherrn Christian Karl Josias von Bunsen, als Begleiter an die britische Seite vermittelt. ZusĂ€tzlich wurde noch der Astronom und Geologe Adolf Overweg engagiert. Durch diese Reise, die die wohl bedeutendste und auch am besten ausgerĂŒstete Afrikaexpedition darstellte, erlangte Barth Weltruhm, wenn auch nur fĂŒr wenige Jahre.
Diese Reise dauerte fĂŒr Barth sechs Jahre; seine Begleiter Richardson und Overweg starben allerdings 1851 (im heutigen Nordnigeria) bzw. 1852 (am Tschadsee). Daraufhin wurde Barth von der britischen Regierung zum Leiter der Expedition ernannt. Er erforschte die Gebiete sĂŒdlich des Tschadsees und den Flusslauf des Benue (Nebenfluss des Niger). Dann drang er weiter bis zur berĂŒhmten Handelsstadt Timbuktu vor und kehrte anschlieĂend an den Ausgangspunkt Tripolis zurĂŒck. Von dort reiste er nach London. Auf dem RĂŒckweg von Timbuktu traf er auf Eduard Vogel, der Barth nachgereist war, da dieser als vermisst galt. Die beiden trennten sich jedoch schon sehr bald wieder. Insgesamt legte Barth auf der gesamten Reise knapp 20.000 km zurĂŒck.cite-ref-4[4]
Barths groĂe Reise durch Nord- und Westafrika (1849â1855)
Seine Vorgeschichte
Nach einer ersten Expedition zu den nördlichen Tuareg im Tassili n'Ajjer hatte der Missionar James Richardson den Eindruck gewonnen, dass es möglich sei, durch die Intensivierung des Transsaharahandels den Sklavenhandel durch die Sahara zu unterbinden. Der Export von nichtmenschlicher Ware aus dem Sudan sollte gefördert werden, und die in Innerafrika begehrten europĂ€ischen Fertigprodukte sollten nur gegen Ausfuhrprodukte der genannten Art getauscht werden. Zu diesem Zweck wollte Richardson mit den Herrschern in Bornu und Sokoto entsprechende Abkommen abschlieĂen. Die Tuareg als TrĂ€ger des Transsaharahandels sollten als VerbĂŒndete fĂŒr die Abschaffung des Sklavenhandels gewonnen werden. Deshalb war geplant, mit ihren FĂŒhrern VertrĂ€ge abzuschlieĂen, die den Nomaden Schutz vor dem französischen Ausgreifen in Richtung Sahara garantierten. Im Jahre 1849 wurde der Missionar von der britischen Regierung mit der Leitung einer groĂangelegten Expedition betraut, die das Ziel hatte, mehr ĂŒber die groĂen Handelswege von den Oasen der Sahara zu den StĂ€dten am sĂŒdlichen Rand der WĂŒste herauszufinden. Die Expedition wurde von der britischen Regierung und der Royal Geographical Society finanziert, denn in diesen Kreisen erhoffte man sich nicht nur eine Erweiterung des geographischen Wissens, sondern auch einen direkten Zugriff auf die HandelsgĂŒter Innerafrikas und gleichzeitig auf die Steigerung der Ausfuhr von industriellen Fertigprodukten.cite-ref-5[5]
Richardson, der selber ĂŒber keine wissenschaftliche Vorbildung verfĂŒgte, wollte seine Expedition so international wie möglich machen, und als preuĂische Stellen den Privatdozenten Barth, der bereits Erfahrung in der Erforschung des Nahen Ostens und von Nordafrika gesammelt hatte, vorschlugen, wurde dieser von Richardson gebeten, an der Expedition teilzunehmen. Er schien, besonders wegen seiner Sprachkenntnisse, ein idealer AnwĂ€rter zu sein, und stimmte der Bitte Richardsons begeistert zu. Kurzfristig war seine Teilnahme gefĂ€hrdet, weil Barths Familie die erforderliche finanzielle Beteiligung nicht aufbringen wollte. Das dritte Mitglied der Expedition wurde der junge deutsche Astronom und Geologe Adolf Overweg.
Reise durch die Sahara
Die Expedition verlieĂ im MĂ€rz 1850 Tripolis (heutige Hauptstadt Libyens), um die Sahara zu durchqueren. Als erstes mussten sie die wasserlose Hammada al-Hamra ĂŒberwinden, bevor sie im Mai 1850 den Ort Murzuk im Fessan erreichten. Erst am 13. Juni ging es weiter ĂŒber das Hochplateau des Messak Settafet und am Akkakus-Gebirge vorbei nach Ghat. Nach kurzem Aufenthalt in Ghat reiste die Expedition ĂŒber die AuslĂ€ufer des Tassili nâAjjer und des Ahaggar-Gebirges nach Tintellust im AĂŻr-Gebirge, das sie am 4. September erreichten.
Die Expedition war gut organisiert worden. Sie hatte ausreichend AusrĂŒstung, einschlieĂlich eines groĂen hölzernen Bootes, das dazu gedacht war, den Tschadsee zu erforschen. Barth war wissenschaftlich besonders gut vorbereitet, wĂ€hrend Richardson bereits WĂŒstenerfahrung mitbrachte und sich bestens mit dem Ădland und seinen Gefahren auskannte. Ăberdies hatte er bereits mit den FĂŒhrern der Tuareg Freundschaft geschlossen, was das Fortkommen der Expedition erleichterte. Allerdings scheinen die beiden MĂ€nner bald eine persönliche Abneigung fĂŒreinander entwickelt zu haben, was dazu fĂŒhrte, dass die Expedition sich in zwei nationale Gruppen aufteilte, welche sogar in zwei verschiedenen Lagern die Nacht verbrachten.
Im Hochplateau des Messak Settafet entdeckte Barth einige Bilder, welche in die Felsen eingemeiĂelt waren.cite-ref-6[6] Der archĂ€ologisch interessierte Forscher erkannte als erster Wissenschaftler ĂŒberhaupt, dass die Felsbilder einmal eine wichtige Quelle fĂŒr die Rekonstruktion frĂŒherer Kulturepochen von Wert sein wĂŒrden, wenngleich seine vor Ort formulierten Interpretationen und vor allem die Datierung nicht mehr dem Stand der heutigen Forschung entsprechen.
Kurz bevor sie Ghat erreichten, passierten sie das Bergmassiv des Idinen. Barth beschloss, dieses allein zu erforschen, weil er dort Reste einer frĂŒhgeschichtlichen oder antiken Kultur, möglicherweise Spuren des Volkes der Garamanten, vermutete. Er erreichte zwar den Gebirgskamm, doch er war erschöpft und durstig, da er seinen ganzen Wasservorrat aufgebraucht hatte. SpĂ€ter verirrte er sich und fiel in Ohnmacht. Als er schlieĂlich wieder aufwachte, trank er sein eigenes Blut, um bei Bewusstsein zu bleiben. Er wurde dann von einem Targi, der den Mut hatte, sein Leben fĂŒr einen Christen aufs Spiel zu setzen, gerettet und zur Expedition zurĂŒckgefĂŒhrt.
Der Durchgang durch die Berge war sehr schwierig und anstrengend fĂŒr die Expedition, da sie auch von PlĂŒnderern ĂŒberfallen wurden und spĂ€ter auch noch weitere Probleme mit den einheimischen Tuareg entstanden, da diese die Fremden als Bedrohung fĂŒr ihr Monopol fĂŒr den Transsaharahandel sahen. Der Handel mit dem Sudan bildete eine wichtige Lebensgrundlage fĂŒr die Sahara-Bewohner. Ein weiterer Faktor, der die Reise erheblich erschwerte, war die Angst der einheimischen Bevölkerung vor einer europĂ€ischen Eroberung. Nach der Besetzung von Algier im Jahre 1830 und der Niederschlagung des von Abd el-Kader organisierten Widerstands im Jahre 1847 dehnten die Franzosen ihren Einfluss auf die nördlichen Oasen der Sahara aus, und es hĂ€uften sich die Hinweise darauf, dass das Ziel dieser Expansion der Tschadsee oder der Niger sein sollte.
Die Reisen im Sudan
Vom AĂŻr, einer Bergkette im heutigen Niger, reiste die Gruppe sĂŒdwĂ€rts nach Agadez (heutiges Niger), einer der groĂen HandelsstĂ€dte am Rande der Sahara. Barth beschrieb die Stadt als im Niedergang begriffen, deren Bevölkerung von 50.000 auf 7.000 Bewohner geschrumpft war, da der Wohlstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts erheblich gesunken war.
Nun entschieden die Expeditionsteilnehmer, die Gruppe zu trennen. Richardson wollte mit seinem Teil der Gruppe direkt zum Tschadsee reisen, die zwei Deutschen wollten noch eine westliche Route zum Tschadsee finden. Kurz darauf teilte Barth seine Gruppe abermals und ging alleine zu den StÀdten Katsina und Kano (heutiges Nigeria). Die drei MÀnner, Richardson, Barth und Overweg, hatten ausgemacht, sich im April 1851 in Kukawa zu treffen, doch Richardson starb drei Wochen zuvor an Fieber.
In Kuka(wa) entdeckte Barth den Girgam, die Königschronik des Reiches von Kanem-Bornu, die er exzerpierte, womit er einen weiteren wichtigen Stein in sein Mosaik der afrikanischen Geschichte einfĂŒgen konnte.
Overweg war der letzte, der den Tschadsee erreichte. Doch als er schlieĂlich im Mai 1851 dort ankam, war er sehr erschöpft und litt unter Fieber. Barth erforschte nun die Gegend sĂŒdlich und östlich des Tschadsees und auĂerdem den Flusslauf des Benue, eines Nebenflusses des Niger, und als Overweg wieder gesund war, erforschte dieser den See selbst mit Hilfe des Bootes, das die Gruppe mitgenommen hatte. Die Forschungen dauerten ungefĂ€hr 15 Monate. Als die britische Regierung erfuhr, dass Richardson gestorben war, wurde Barth zum neuen FĂŒhrer der Expedition ernannt. Da der Weg nach Osten in Richtung Nil versperrt war, beschlossen die beiden Ăberlebenden, stattdessen nach Westen, in Richtung Timbuktu (heutiges Mali), zu reisen, doch zuvor starb Overweg an Malaria.
Nach den Erforschungen am und um den Tschadsee reiste Barth, nun der einzige Forscher der Gruppe, ins Königreich Kanem-Bornu (um den Tschadsee). Dabei nahm er gezwungenermaĂen an einem Feldzug teil, der in eine organisierte Sklavenjagd ausartete. Barths Schilderung der von Afrikanern an Afrikanern begangenen GrĂ€ueltaten gehört zu den erschĂŒtterndsten Darstellungen in der klassischen Afrikaliteratur. Bei seiner RĂŒckkehr nach Kukawa war er etwa 32 Monate von Tripolis aus unterwegs und wusste, dass die Reise bis Timbuktu noch ĂŒber ein Jahr dauern wĂŒrde. Doch Barth war ĂŒberzeugt, dieses Ziel erreichen zu können.
Aufenthalt in Timbuktu
Auf dem letzten StĂŒck seiner Reise entlang des Niger war Barth gezwungen, sich als tĂŒrkischer Muslim auszugeben, der aus Ăgypten gekommen war, um dem obersten Korangelehrten von Timbuktu, dem Kunta-Scheich Sidi Ahmad al-Baqqai, wertvolle BĂŒcher aus Mekka zu bringen. Hintergrund fĂŒr die Fremdenfeindlichkeit war die Erinnerung an die Fahrt des Schotten Mungo Park, der bei seiner Befahrung des Niger im Winter 1805â1806 aus Furcht vor einem Ăberfall auf jeden, der sich dem Ufer nĂ€herte, hatte schieĂen lassen.
Barth erreichte Timbuktu am 7. September 1853. Er fand die Stadt wohlhabender vor, als RenĂ©-Auguste CailliĂ©, ein französischer Afrikaforscher, sie 25 Jahre zuvor beschrieben hatte. Allerdings ist diese Stadt nie wieder zu dem Handelsplatz fĂŒr die Sahara geworden, wie sie es bis zum Ende des 16. Jahrhunderts gewesen war. FĂŒr Barth bedeutete es eine groĂe Genugtuung, die lange Zeit â vor allem von britischer Seite â angezweifelten Angaben CailliĂ©s ĂŒber den tatsĂ€chlichen Zustand von Timbuktu bestĂ€tigen zu können. Noch am Tag seiner Ankunft verfasste er diesbezĂŒgliche Briefe an die PrĂ€sidenten der Geographischen Gesellschaften in London und Paris.
Barths Ankunft in Timbuktu fiel zusammen mit Nachrichten ĂŒber französische Eroberungen in SĂŒdalgerien und am Senegal. Die Bevölkerung nahm ihn mit groĂem Misstrauen auf, und der mĂ€chtige Fulbe-Herrscher von Macina im heutigen Mali verlangte seine Auslieferung. Doch wurde der Forscher vom geistlichen Oberhaupt der Stadt, Sidi Ahmad al-Baqqai, geschĂŒtzt. Der Scheich erstellte sogar eine Art Fatwa, ein Rechtsgutachten, in dem er dem Fulbe-Herrscher kategorisch das Recht absprach, einen als Freund angereisten Christen verfolgen zu lassen.cite-ref-7[7] Unter dem Schutz dieses berĂŒhmtesten Koran-Gelehrten Westafrikas konnte Barth seinen historischen Forschungen nachgehen und Dokumente ĂŒber die mittelalterlichen und frĂŒhneuzeitlichen Reiche Westafrikas (Mali und Songhai) einsehen und teilweise exzerpieren. Gleichzeitig fĂŒhrte er lange theologische GesprĂ€che mit al-Baqqai, in denen beide MĂ€nner ĂŒber die Ăhnlichkeiten zwischen Islam und Christentum diskutierten und die groĂen Ăhnlichkeiten zwischen den Religionen anerkannten. Zeitweise musste Barth wegen der Nachstellungen durch die Fulbe die Stadt verlassen und sich unter den Schutz der Tuareg begeben, die al-Baqqai als ihren religiösen FĂŒhrer anerkannten.
Barths RĂŒckkehr nach Europa
Im FrĂŒhjahr 1854 verlieĂ Barth Timbuktu endgĂŒltig und reiste zurĂŒck zum Tschadsee. Die Route fĂŒhrte ihn unter anderem nach Gao, wo er die GrĂ€ber der Songhai-Herrscher besuchte und zeichnete. Auf dem Weg nach Osten erfuhr er, dass eine Expedition unter der Leitung des Deutschen Eduard Vogel am Tschadsee angekommen war; die britische Regierung hatte diese Expedition ausgesandt, um Barth, der als verschollen bzw. tot galt,cite-ref-8[8] zu suchen und gegebenenfalls seine Forschungen fortzusetzen. Als sich die Gruppen trafen, wurde entschieden, dass Barth nach Kuka(wa) (heutiges Nigeria) zurĂŒckkehren und Vogel nach Zinder (heutiges Niger) reisen sollte. Von dort aus wollte er versuchen, den von EuropĂ€ern noch nicht erforschten Lauf des Niger zu bereisen und von dort aus eventuell an den Nil vorzudringen. Bei diesem Unterfangen wurde Vogel jedoch im Reich Wadai (im heutigen Tschad) ermordet. Von Kuka reiste Barth ĂŒber Murzuk zurĂŒck nach Tripolis (Ankunft in Tripolis am 28. August 1855), wobei er zwei britische Soldaten, die Vogel begleitet und sich mit ihm zerstritten hatten, wieder mitnahm. In seiner Begleitung befanden sich auch zwei von Adolf Overweg freigekaufte Sklaven aus dem Sudan, Abbega und Durugu, die ihm bei der Abfassung seiner sprachwissenschaftlichen Werke helfen sollten. Ăber Marseille und Paris reiste er zuerst nach Hamburg, dann nach London, wo er sich auf Dauer niederlassen und seinen Forschungen nachgehen wollte. Im Jahr 1854 wurde Barth zum Mitglied der Leopoldina gewĂ€hlt.
Barths Leben nach der groĂen Afrikareise
Barth siedelte sich zuerst in London an, wo er gleichzeitig die deutsche und die englische Fassung seines 3.500 Seiten starken Reisewerkes niederschrieb. Beide Ausgaben sind weitgehend identisch, unterscheiden sich aber in einigen wesentlichen Punkten. Gleichzeitig bemĂŒhte er sich, die britische Regierung zu einem politischen Engagement in der Sahara und im Sahel zu bewegen, um die gewaltsame Ausdehnung des französischen Kolonialreiches in das Land der Tuareg und nach Timbuktu zu verhindern, stieĂ aber auf kein Interesse.
Ăberdies sah sich der Forscher massiven Angriffen von Seiten der Missionsgesellschaften und der Antisklavereibewegung ausgesetzt, die ihm vorwarfen, er habe an Sklavenjagden teilgenommen, obwohl die von Barth gelieferte Schilderung erstrangige Argumente im Kampf um die Abschaffung der Sklaverei bot. Weiterhin wurde der Vorwurf erhoben, er habe auch Sklaven mit nach England gebracht. TatsĂ€chlich hatte er zwei freigekaufte Afrikaner mit nach London genommen, damit sie ihn bei der Abfassung seiner sprachwissenschaftlichen Werke unterstĂŒtzten. Dies war nichts Ungewöhnliches, auch andere Reisende, Missionare, KapitĂ€ne etc. brachten schwarze Diener mit nach England. Der Hintergrund der gegen Heinrich Barth inszenierten Kampagne war nicht zuletzt in der Tatsache zu suchen, dass er als AuslĂ€nder dem populĂ€ren Missionar und Forscher David Livingstone den Rang abzulaufen drohte. Doch auch Barths positive EinschĂ€tzung des Islam passte nicht in das Weltbild der Briten.
Im Jahre 1858 verlieĂ Barth London und ging zurĂŒck nach Berlin, weil er hoffte, man werde ihm die Professur seines emeritierten Lehrers Carl Ritter im Fach Geographie ĂŒbertragen, was nicht geschah. Von 1858 bis 1862 bereiste Barth noch Kleinasien, Griechenland und Bulgarien sowie Spanien, Italien und die Alpen. Er war als Nachfolger von Carl Ritter PrĂ€sident der âGesellschaft fĂŒr Erdkunde in Berlinâ und förderte eine Reihe junger Afrikaforscher wie etwa den Franzosen Henri Duveyrier, der an Barths Forschungen bei den Tuareg in der nördlichen Sahara anknĂŒpfte. Zeitweise bemĂŒhte sich Barth angesichts der Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden, um die Entsendung als Konsul nach Konstantinopel, wurde aber nicht in Betracht gezogen, weil er als undiplomatischer Charakter galt. 1863 wurde er zum auĂerordentlichen Professor an der UniversitĂ€t in Berlin ernannt, was bedeutet, dass er ohne Honorar Vorlesungen und Seminare abhielt. Eine ordentliche Professur wurde ihm jedoch verwehrt, so dass er in erster Linie von der Leibrente leben musste, die ihm der preuĂische König Friedrich Wilhelm IV. gewĂ€hrte. Sein Reisewerk verkaufte sich wegen der hohen Wissenschaftlichkeit, des Umfangs (3.500 Seiten) und des dadurch bedingten hohen Preises nur sehr schleppend. Auch eine zweibĂ€ndige Volksausgabe wurde kein Verkaufsschlager.
Im Jahre 1865 starb Heinrich Barth an einem Magendurchbruch, möglicherweise der SpĂ€tfolge einer Schussverletzung, die er auf seiner Mittelmeerreise 1847 in Libyen erlitten hatte und âunter groĂen Schmerzenâ an einer âZerberstung des Magensâ, wie Rudolf Virchow in seinem Obduktionsbericht feststellt.cite-ref-9[9] Er wurde in Berlin auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor beigesetzt. Die Grabstelle wird von einem kleinen liegenden Grabstein markiert.cite-ref-10[10]
Leistung und Nachwirken
Vorbemerkung
Trotz der unzĂ€hligen Schwierigkeiten und auch des Todes von Richardson und Overweg wurde die Expedition zu einem groĂen Erfolg, der besonders Barth angerechnet wurde. Er hatte eine riesige Menge an Informationen ĂŒber Nordafrika eingeholt, so dass sein Gönner und Förderer Alexander von Humboldt sagen konnte, Barth habe der europĂ€ischen Wissenschaft einen neuen Erdteil aufgeschlossen. Er war weiterhin der erste Forscher, der Karten von groĂen Gebieten von Afrika (Sahara und Sahel) erstellte, wenngleich Alexander von Humboldt kritisierte, die geografischen Messungen Barths seien wenig professionell gewesen. Aus der Sicht der heutigen Wissenschaft liegt Barths Hauptverdienst ohnehin in der Erforschung der afrikanischen Kulturen, die der Forscher als erster EuropĂ€er umfassend und weitgehend vorurteilsfrei beschrieben hat. Gerade in dieser Hinsicht ist Barths Forscherleistung im Nachhinein höher einzuschĂ€tzen als die von so bekannten Reisenden wie Henry Morton Stanley oder David Livingstone. Ihre Werke kamen dem europĂ€ischen Publikumsgeschmack sehr viel mehr entgegen, da sie den weiĂen Mann, den Boten der Zivilisation, bei seinem stĂ€ndigen Kampf mit wilden Tieren und wilden Menschen schilderten, wĂ€hrend Barth auf 3.500 Seiten eine wissenschaftliche Darstellung von Kulturen lieferte, von deren Existenz die europĂ€ische Wissenschaft bislang kaum etwas gewusst hatte und aus zum Teil rassenideologisch motivierter Engstirnigkeit auch weiterhin nichts wissen wollte. Barths Reiseschilderung war verschiedentlich von umfangreichen Exkursen zu völkerkundlichen und historischen Themen unterbrochen, etwa zur Kultur der Tuareg, zur Geschichte von Agades oder Songhai, und jeder dieser Exkurse, die erst nach 1900 angesichts der rasch fortschreitenden Erforschung der Kolonien ergĂ€nzt und aktualisiert wurden, hatte fĂŒr sich die QualitĂ€t einer akademischen Dissertation, da der Verfasser auch frĂŒhere Literatur â bis zu antiken Autoren wie Herodot und Plinius â zum Vergleich heranzog. Die AusfĂŒhrungen zu den Tuareg des Tassili nâAjjer, des AĂŻr-Gebirges oder des Umlandes von Timbuktu sind auch fĂŒr die heutige Völkerkunde noch unverzichtbar.
Barth hatte seine fĂŒnfjĂ€hrige Afrikareise fast ohne einen einzigen Schuss zu seiner Verteidigung abzufeuern durchgefĂŒhrt. WĂ€hrend er in Europa als schroff und undiplomatisch galt, machte er sich in Sahara und Sudan zahlreiche Freunde. So konnten spĂ€tere Forscher, die sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts â d. h. bis zur kolonialen Inbesitznahme durch Frankreich â bei den Tuareg aufhielten und sich als Barths Sohn oder Neffe ausgaben, relativ gefahrlos reisen, so etwa Oskar Lenz, der 1879 Timbuktu besuchte und von den Freunden seines angeblichen Vaters begrĂŒĂt wurde. Es muss aber nachdrĂŒcklich darauf verwiesen werden, dass Barth das GlĂŒck hatte, in dem KarawanenfĂŒhrer Mohammad aus der libyschen Oase Qatrun einen kompetenten und absolut loyalen Begleiter zu haben. Mohammad al-Qatruni diente spĂ€ter auch Gerhard Rohlfs und Gustav Nachtigal.
Das Scheitern der diplomatischen AktivitÀten Barths
In England stieĂ Barth mit seiner Forderung nach der Ratifikation der Handels- und SchutzvertrĂ€ge, die er mit den Afrikanern abgeschlossen hatte, auf taube Ohren. Eine Delegation des GroĂen Rates von Timbuktu, die auf Anregung des Forschers nach London reisen wollte, wurde in Tripolis unter entwĂŒrdigenden UmstĂ€nden festgehalten und dann unter dem Spott der britischen Presse wieder in den Sudan zurĂŒckgeschickt. Die britische AuĂenpolitik hatte ihr Augenmerk von der Sahara abgewandt, noch wĂ€hrend Barth in Afrika reiste. Eine fast zeitgleich ausgesandte Expedition unter Leitung des Arztes Balfour Baikie hatte den Weg vom Niger-Delta im heutigen Nigeria nach Innerafrika erschlossen und den Nachweis erbracht, dass diese Route fĂŒr EuropĂ€er ungefĂ€hrlich war, wenn sie sich mit Chinin vor den ĂŒblichen Fieberkrankheiten schĂŒtzten. Damit war die lĂ€ngere Sahara-Route, auf der keine Seuchen drohten, uninteressant geworden. Nach dem Ende des anglo-französischen Konflikts, d. h. in den Jahren nach dem Krimkrieg, in dem beide LĂ€nder VerbĂŒndete gewesen waren, ĂŒberlieĂ die britische AuĂenpolitik den Franzosen die Sahara und beanspruchte stattdessen die Kontrolle ĂŒber groĂe Teile der westafrikanischen KĂŒste, vor allem ĂŒber das Niger-Delta. Die französische Seite war mit einer solchen Aufteilung der Interessenszonen einverstanden, da in Paris das Ziel der Vereinigung der Kolonien in Algerien und am Senegal verfolgt wurde, und das Gebiet zwischen diesen beiden Besitzungen war das Land der Tuareg, mit denen Barth ebenfalls VertrĂ€ge geschlossen hatte. Barths Eintreten fĂŒr die afrikanischen Völker und seine Forderung nach der Ratifizierung der VertrĂ€ge wurden im Foreign Office schlieĂlich als lĂ€stig empfunden, und man bedeutete ihm, dass er politisch naiv sei und den Kurswechsel in der britischen Afrikapolitik zur Kenntnis nehmen solle.cite-ref-11[11]
Im Bewusstsein der britischen Ăffentlichkeit spielte Timbuktu keine herausragende Rolle mehr, da die Stadt fĂŒr die Exportwirtschaft offenbar keine groĂe Rolle mehr zu spielen versprach. Barths Entdeckungen in Sachen Geschichte waren nicht faszinierend genug angesichts der Frage nach den Quellen des Nils, die in der Presse heftig diskutiert wurde. Auch die Tatsache, dass Barth in London AuslĂ€nder war und dem Ă€uĂerst populĂ€ren David Livingstone eventuell Konkurrenz machen konnte, darf nicht unterschĂ€tzt werden. Die Missionsgesellschaften und die âAnti-Slavery Societyâ machten Stimmung gegen ihn, was sicherlich auch durch seine betont positive Haltung gegenĂŒber dem Islam bedingt war. Barth wurde zwar zum âCompanion of the Order of the Bathâ ernannt â eine fĂŒr einen Nicht-Briten auĂergewöhnliche Auszeichnung â, aber er wurde im Rahmen dieser Ehrung nicht der Königin Victoria vorgestellt, etwa im Gegensatz zu dem Ungarn Arminius VambĂ©ry, der in Zentralasien Gebiete bereist hatte, auf welche die britischen Kolonialpolitiker ihr Augenmerk richteten. In Deutschland hingegen verĂŒbelte man Barth, dass er in britischem Auftrag gereist war, und das zu einem Zeitpunkt, als die britische AuĂenpolitik die von vielen liberalen Intellektuellen ersehnte Einigung Deutschlands verhindert hatte (1849).
BemĂŒhungen um eine akademische Stellung
Hinzu kamen eher akademische Probleme, die letztlich dazu fĂŒhrten, dass ihm die ordentliche Professur an der UniversitĂ€t Berlin verweigert wurde, obwohl er alle Qualifikationen hierfĂŒr mitbrachte. Aber sein hartnĂ€ckiges Eintreten fĂŒr die Gleichwertigkeit der Afrikaner, seine Behauptung, Afrika sei keineswegs ein geschichtsloser Kontinent, und wohl auch sein unzeitgemÀà positives Bild vom Islam machten ihn bei den etablierten Professoren verdĂ€chtig. Leopold von Ranke, Deutschlands bekanntester Historiker und Lehrstuhlinhaber in Berlin, schrieb in einem Gutachten, Barth sei wohl ein kĂŒhner Abenteurer, aber kein ernst zu nehmender Gelehrter. Ranke selbst hatte den Afrikanern jede GeschichtsfĂ€higkeit bestritten, was im 19. Jahrhundert, in dem die anzunehmende Entwicklungs- und GeschichtsfĂ€higkeit eines Volkes als ein wichtiges Kriterium fĂŒr seine Rangfolge innerhalb der Menschheit angesehen wurde, ein vernichtendes Urteil darstellte. Damit war Barths Versuch, die Erforschung der afrikanischen Geschichte im akademischen Bereich zu etablieren, wenn auch ĂŒber den Umweg ĂŒber die historische Geographie, endgĂŒltig gescheitert.
Zeitweise war eine Berufung an die UniversitĂ€t Jena im GesprĂ€ch, doch daran scheint Barth nicht interessiert gewesen zu sein. Erst 1863 wurde er als auĂerordentlicher Professor fĂŒr Geographie an die Berliner UniversitĂ€t berufen, was in der Praxis bedeutete, dass er weiterhin ohne feste BezĂŒge unterrichtete und seinen Lebensunterhalt von der Leibrente, die König Friedrich Wilhelm IV. ausgesetzt hatte, bestreiten musste. Offenbar mit Blick auf die Ablehnung seines Afrikabildes im akademischen Kreis hielt er Lehrveranstaltungen ab, die sich thematisch im allgemein akzeptierten Rahmen bewegten und teilweise nicht viel mehr als eine leicht aktualisierte Neuauflage von Vorlesungen Carl Ritters waren. Es scheint, dass Barth versuchte, durch eine fĂŒr die FakultĂ€t deutlich erkennbare Anlehnung an die Konzeptionen seines akademischen Lehrers doch noch dessen Nachfolge antreten zu können.
Barth, Afrika und die Afrikaner
Ob Heinrich Barth 1849, als er die Einladung zur Teilnahme an der âCentral African Missionâ annahm, dies aus Interesse an Innerafrika tat oder sich in erster Linie Hoffnungen machte, an einem spektakulĂ€ren Forschungsprojekt teilzunehmen und danach die ersehnte Professur fĂŒr Geographie an der UniversitĂ€t Berlin zu erhalten, ist umstritten. Man kann aber zumindest annehmen, dass er bei seiner ersten Reise entlang der nordafrikanischen KĂŒste erkannt hatte, dass die Welt des Mittelmeers in stĂ€ndigem Kontakt mit Innerafrika gestanden hatte, und der ArchĂ€ologe und Altertumsforscher Barth war sicher darum bemĂŒht, Spuren dieser kommerziellen und kulturellen Beziehungen in der Sahara oder sogar sĂŒdlich davon zu finden.
Barths Interesse an den afrikanischen Kulturen entwickelte sich rasch und in einem fĂŒr europĂ€ische Reisende des 19. Jahrhunderts ungewöhnlichen MaĂe. Der Forscher war bereit, die Afrikaner als seinesgleichen anzuerkennen, trat nicht als arroganter WeiĂer auf, der sich nur ĂŒber Dolmetscher mit den Menschen unterhalten konnte, sondern erlernte die Sprachen Zentralafrikas bis zu einer solchen Perfektion, dass er spĂ€ter in der Lage war, sie wissenschaftlich zu analysieren. Der Völkerkundler Gerd Spittler (UniversitĂ€t Bayreuth) bezeichnet Barth als einen der wichtigsten VorlĂ€ufer der ethnologischen Feldforschung, die man in der Wissenschaftsgeschichte erst mit BronisĆaw Malinowskis Buch ĂŒber die Trobriand-Insulaner (1922) beginnen lĂ€sst.cite-ref-12[12]
Wenn sich bei Barth auch vereinzelt AnklĂ€nge an die zeittypische Ăberzeugung der EuropĂ€er finden, ihre Kultur sei allen anderen ĂŒberlegen, so verwandte er doch den fĂŒr deutsche GemĂŒter hochemotionalen Begriff âNationâ fĂŒr die Völker Afrikas und stellte sie damit auf eine Stufe mit den EuropĂ€ern. Wenn die Schlussfolgerungen, die er aus seinen Forschungsergebnissen zog, heute ĂŒberwiegend veraltet oder gar widerlegt sind, so bleibt festzuhalten, dass er die Sprachen und Kulturen der Afrikaner als einen wĂŒrdigen Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchung betrachtete. In diesen Zusammenhang passt auch die Tatsache, dass Barth die zu seiner Zeit verfochtenen Theorien ĂŒber die biologische Minderwertigkeit der Afrikaner ĂŒberhaupt nicht zur Kenntnis nahm, weil fĂŒr ihn die KulturfĂ€higkeit nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse bedingt war, sondern eine allen Menschen gleichermaĂen verliehene FĂ€higkeit war, die durch den Kontakt mit anderen Kulturen in einem durchaus dialektischen Sinne zur weiteren Entfaltung gelangte. Damit stand er ganz in der Tradition seines Lehrers Carl Ritter und im schroffen Gegensatz zu Geschichtsphilosophen wie Hegel, Historikern wie Ranke und Rassenideologen wie Karl Andree, dem Herausgeber der populĂ€ren Zeitschrift Globus.
Die Erforschung der Geschichte Afrikas
Bereits bei der Durchquerung der nördlichen Sahara war Barth auf die Ăberreste der antiken Geschichte Nordafrikas gestoĂen, die ihm aus den Schriften griechischer und römischer Autoren bestens bekannt war. Auch die Berichte der arabischen Reisenden hatte er studiert. Insofern bewegte sich sein Geschichtsbegriff in den Bahnen der akademischen Tradition, die das Studium schriftlicher Quellen in den Vordergrund stellte. Die Entdeckung der Felsbilder bedeutete fĂŒr ihn einen Bruch in seinem GeschichtsverstĂ€ndnis, denn zum ersten Mal erkannte er, dass der klassische Quellenbegriff hier versagte, es sei denn, man wollte den Afrikanern die Geschichtlichkeit absprechen, wie dies die fĂŒhrenden Historiker und Philosophen in Europa taten. Es wundert daher nicht, dass Leopold v. Ranke zu denjenigen Gutachtern an der Berliner UniversitĂ€t gehörte, die sich den AntrĂ€gen, Barth eine Professur zu verleihen oder ihn als ordentliches Mitglied in die PreuĂische Akademie der Wissenschaften aufzunehmen, mit der BegrĂŒndung widersetzten, der Kandidat habe nichts Wertvolles fĂŒr die Geschichtsforschung geleistet, sondern sei eher ein âkĂŒhner Reisenderâ, was im Sprachgebrauch der Zeit nicht als Kompliment zu werten war.cite-ref-13[13]
Barth erkannte zum einen, dass die Afrikaner nicht nur eine Vergangenheit besaĂen, sondern eine Geschichte, die sie selber gestaltet hatten. Diese Auffassung allein stellte schon einen massiven Bruch mit dem europĂ€ischen Geschichtsbild dar, denn sowohl Hegel als auch der Kulturhistoriker Gustav Friedrich Klemm hatten die Afrikaner als passive Rasse dargestellt, die nie Subjekt, sondern nur Objekt der Geschichte war und allenfalls durch einen AnstoĂ von auĂen aktiviert werden konnte. Barth attestierte den Afrikanern eine bewusst gestaltete Geschichte, die im Konflikt und Kontakt mit der auĂerafrikanischen Welt stand, von dort Impulse erhielt, aber auch ihrerseits AnstöĂe nach auĂen gab. Diese Erkenntnis fĂŒhrte ihn zu dem ketzerischen Ausspruch, dass die Weltgeschichte nicht geschrieben werden könne, solange die afrikanische Geschichte nicht vollstĂ€ndig erforscht worden sei. Es ist nicht zu bestreiten, dass Barth die Afrikaner fĂŒr historisch zurĂŒckgeblieben hielt. Er verglich die Königreiche des Sudan gern mit dem europĂ€ischen Mittelalter, was aber keineswegs ausschloss, dass sie sich weiterentwickeln wĂŒrden, wenn dieser Prozess nicht durch kriegerische Ereignisse und falsche Einflussnahme von auĂen behindert wĂŒrde.cite-ref-14[14] Damit stand er durchaus im Einklang mit den Geschichtsphilosophen seiner Zeit, auch mit Karl Marx und Friedrich Engels, die ebenfalls eine starre Stufenfolge der geschichtlichen Entwicklungsformen postulierten und dabei erheblich europazentrischer und eindimensionaler dachten als Barth, der im Islam eine kulturfördernde Kraft sah und den europĂ€ischen EinflĂŒssen in Afrika sehr kritisch gegenĂŒberstand. Im Gegensatz zu den meisten Zeitgenossen, die einen kausalen Zusammenhang zwischen der angeblichen Stellung eines Volkes in der Rassenhierarchie einerseits und seiner Kultur- und GeschichtsfĂ€higkeit andererseits sahen, lehnte Barth jedes biologistische ErklĂ€rungsmodell ab und attestierte damit allen Menschenrassen dieselben FĂ€higkeiten und dieselben Entwicklungsmöglichkeiten.cite-ref-15[15]
Heinrich Barth löste sich von der traditionellen Methodik der akademisch etablierten Geschichtswissenschaft und schuf zumindest in GrundzĂŒgen ein Instrumentarium, das es erlaubte, die Geschichte auĂereuropĂ€ischer Kulturen zu erforschen. Etablierte Methoden wie die Auswertung schriftlicher Quellen (etwa der sudanesischen Chroniken) standen jetzt nicht mehr im Mittelpunkt. Auch die Sprachwissenschaft, der Vergleich von Wortschatz und grammatischen Strukturen zur Ermittlung von Wanderungen und Kulturkontakten, sollte zum Einsatz kommen. Ebenso spielte die Deutung von Riten und GebrĂ€uchen eine wichtige Rolle. Hervorzuheben ist die Erkenntnis, dass die Felsbilder einmal eine unverzichtbare Quelle fĂŒr die Erforschung der Vor- und FrĂŒhgeschichte (einschlieĂlich der Klimageschichte) sein wĂŒrden. Viele von Barths Deutungen haben sich als falsch erwiesen, doch die Kritik, die neuerdings an bestimmten Aspekten seiner Methodik und bestimmten Schlussfolgerungen geĂŒbt wird, ist kurzsichtig, denn sie ignoriert, dass Barth gezwungen war, seine wissenschaftliche Forschungsarbeit innerhalb kurzer Zeit und oft unter erschwerten Bedingungen, wie etwa in Timbuktu, durchzufĂŒhren.cite-ref-16[16]
Barth und die afrikanische Sprachwissenschaft
Auch seine Verdienste um die afrikanische Sprachwissenschaft wurden in entsprechenden Gutachten bestritten, was weniger in der QualitĂ€t seiner Forschungen begrĂŒndet lag als in der Tatsache, dass er die Sprachen der Afrikaner ĂŒberhaupt der Erforschung fĂŒr wĂŒrdig und damit den indoeuropĂ€ischen Sprachen ebenbĂŒrtig hielt. Die Ablehnung durch die etablierten Sprachwissenschaftler hatten auch andere Forscher zu spĂŒren bekommen, wie etwa Wilhelm Bleek, der nach seiner Promotion ĂŒber die Bantu-Sprachen gezwungen war, eine Stellung in SĂŒdafrika anzunehmen, da im akademischen Bereich in Deutschland fĂŒr einen AuĂenseiter wie ihn kein Platz war. Eine Hinwendung zur Erforschung afrikanischer Sprachen fand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts statt, jedoch nicht um der wissenschaftlichen Untersuchung willen, sondern zum Zweck ihrer Nutzbarmachung im Rahmen einer effizienten Kolonialpolitik. In der Praxis bedeutete dies, dass angehende Kolonialbeamte und Offiziere eine afrikanische Sprache erlernten, um mit der Bevölkerung in den Kolonien kommunizieren zu können, aber linguistische Forschungen, z. B. zur Sprachgeschichte, waren nicht vorgesehen, sondern konnten von den Dozenten allenfalls auĂerhalb des eigentlichen Lehrbetriebs als Liebhaberei betrieben werden.
Barths Central-Africanische Vocabularien, die weitaus mehr als reine Wortlisten darstellen, gelten als Beginn der vergleichenden Afrikanistik, wenngleich etliche SchlĂŒsse, die der Forscher gezogen hatte, heute â angesichts einer groĂen FĂŒlle von linguistischen Spezialuntersuchungen â nicht mehr als gĂŒltig anerkannt werden. Sein methodisches Vorgehen jedoch wird von fĂŒhrenden Afrikanisten heute noch als vorbildlich bezeichnet.
Barth und der Islam
Es ist davon auszugehen, dass Barth auch wegen seines völlig unzeitgemĂ€Ăen Eintretens fĂŒr den Islam scheiterte. Im öffentlichen Bewusstsein galt diese Religion als zivilisationsfeindlich und ihre TrĂ€ger als fanatisch und fremdenfeindlich. Barth hatte sich klugerweise zum Grundsatz gemacht, die Gewohnheiten und Gepflogenheiten des islamischen Lebens zu respektieren, solange diese nicht im schroffen Gegensatz zu seinen Vorstellungen von Menschlichkeit standen. Fremdenfeindliches Verhalten hatte er trotzdem erlebt, doch war er objektiv genug, auch nach den GrĂŒnden hierfĂŒr zu suchen. Er fand sie im niedrigen Bildungsgrad vieler afrikanischer Muslime, in der Furcht vor dem Fremden im Allgemeinen und vor dem Vordringen der Franzosen im Besonderen. Andererseits traf er immer wieder auf gebildete Muslime wie den Marabout Sidi Uthman bei den Tuareg, den blinden Fulani-Gelehrten Faki Ssambo oder den geistlichen und politischen FĂŒhrer von Timbuktu, Sidi Ahmad al-Baqqai. Mit diesen MĂ€nnern konnte er einen friedlichen interkulturellen Dialog fĂŒhren und ĂŒber Religion, Geschichte und Philosophie diskutieren, und gerade von ihnen verfasste er einige der wenigen sehr persönlich gehaltenen, beinahe rĂŒhrend formulierten Schilderungen von Einzelpersonen, mit denen er auf seiner Reise engeren Kontakt gepflegt hatte.
Barth muss als ein sehr guter und vor allem unvoreingenommener Kenner des Islam betrachtet werden, so dass er in der Lage war, mit hochgebildeten Korangelehrten in Sokoto oder Timbuktu auch ĂŒber Feinheiten der Theologie zu diskutieren. Die Rolle des Islam bei der Bildung der alten westafrikanischen Reiche hat Barth wohl angesichts der ihm zur VerfĂŒgung stehenden Chroniken ĂŒberbewertet, aber gerade diese EinschĂ€tzung brachte ihn dazu, den christlichen Missionen und ihrem Anspruch, sie allein könnten Afrika der Zivilisation zufĂŒhren, in polemischer Weise entgegenzutreten. Eine Religion wie der Islam, der Westafrika im Mittelalter auf eine so hohe Stufe der Kultur gefĂŒhrt hatte, konnte seiner Auffassung nach unmöglich zivilisationsfeindlich sein. In mehreren Briefen, aber auch in veröffentlichten Artikeln verlangte er, den intellektuellen Ausgleich mit dem Islam zu suchen und dieser Religion den Vortritt bei der Weiterentwicklung Afrikas zu lassen. Hinter dieser Forderung stand keineswegs die gegen Ende des 19. Jahrhunderts hĂ€ufiger anzutreffende Ăberzeugung, der Islam als minderwertige Religion passe besser fĂŒr eine nicht entwicklungsfĂ€hige Rasse. Vielmehr war es fĂŒr Barth eine erwiesene Tatsache, dass die Afrikaner intellektuell gleichwertig neben den EuropĂ€ern standen und der Islam dem Christentum in theologischer und kulturgeschichtlicher Hinsicht ebenbĂŒrtig war. In einem seiner letzten Artikel trug er den utopischen Gedanken vor, EuropĂ€er und Muslime sollten in Westafrika eine christlich-islamische Akademie grĂŒnden, in der die Möglichkeit fĂŒr eine AnnĂ€herung und einen Ausgleich zwischen den beiden Religionen geschaffen werden könnte.cite-ref-17[17] Mit einer solchen Ansicht aber musste er beispielsweise den Widerspruch der in Afrika tĂ€tigen und einflussreichen âBerliner Missionsgesellschaftâ, deren Verbindungen bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise reichten, provozieren.
Die in jĂŒngerer Zeit geĂ€uĂerte Kritik, Barth sei nicht afrikanerfreundlich, sondern nur islamfreundlich gewesen, ist einseitig, da Barth fast ausschlieĂlich im islamisch geprĂ€gten Raum reiste und nur in Ausnahmesituationen Gelegenheit hatte, die nichtmuslimischen Völker zu besuchen (etwa im Gefolge einer Sklavenjagd). Doch zeigen seine AusfĂŒhrungen, dass er den Afrikanern insgesamt offen und vorurteilsfrei gegenĂŒberstand. Die Arbeiten, in denen diese Kritik geĂ€uĂert wird, basieren auf einer unzureichenden Quellenbasis und ignorieren Barths Zeitschriftenartikel und Korrespondenz. Die Barth-Kritiker berĂŒcksichtigen ebenfalls nicht hinreichend die zeitgenössischen Diskurse, d. h. den durch die etablierte Wissenschaft vorgegebenen Rahmen, in dem sich Barth intellektuell und strukturell bewegte bzw. bewegen musste und den er hĂ€ufig bewusst durchbrach.cite-ref-18[18]
Das Mittelmeerprojekt
Es ist falsch, in Barth ausschlieĂlich den Afrikawissenschaftler zu sehen. Bereits wĂ€hrend seiner Studienzeit hatte er ein groĂes Interesse an der Geschichte des Mittelmeers und seiner Rolle in der Entwicklung und Vermittlung von Kulturen entwickelt. Diese Erkenntnisse hatte er wĂ€hrend seiner groĂen Studienreise zwischen 1844 und 1847 vertieft und in GrundzĂŒgen in seiner Habilitationsschrift niedergelegt. Auch in seinem Reisewerk ging er immer wieder auf die Möglichkeiten eines Kulturaustausches zwischen Mittelmeer und Innerafrika ein. In einem Vortrag aus dem Jahre 1860 betonte er, dass der Mittelmeerraum stets ein Angelpunkt der Kulturgeschichte gewesen sei, wo unterschiedliche Kulturen aufeinandergeprallt seien, sich miteinander vermischt und in die unterschiedlichen Richtungen ausgestrahlt hĂ€tten, wobei die rassische Zugehörigkeit der einzelnen Völker fĂŒr ihn keine Rolle spielte. Barth sah im Mittelmeer keine Barriere zwischen den Kulturen bzw. Religionen, sondern eine Region des intensiven Austausches, wenngleich er nicht bestritt, dass der Kontakt nicht immer friedlich gewesen war. Subsahara-Afrika hatte daher fĂŒr ihn nie isoliert neben der allgemeinen Weltgeschichte gestanden, sondern war immer ein integraler Bestandteil gewesen. In Barths Konzept von Kulturkontakt stand der Austausch durch Handel an vorderster Stelle. Die Reisen, die Barth in seinen letzten Lebensjahren in der TĂŒrkei und auf dem Balkan unternahm (u. a. war er der Erstbesteiger des Olymp), dienten der Untermauerung dieser Theorie, die angesichts seines frĂŒhen Todes nur bruchstĂŒckhaft ĂŒberliefert ist. Doch belegen diese Fragmente, dass Barth mit seiner neuen Sicht des Mittelmeerraumes als einer kulturellen und historischen Einheit bereits auf die Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts verwies. Er nahm in GrundzĂŒgen die Konzeption vorweg, die der berĂŒhmte französische Historiker Fernand Braudel (1902â1985) fast 100 Jahre spĂ€ter in seinem berĂŒhmten Werk ĂŒber den Mittelmeerraum im Zeitalter Philipps II. niederlegte.
Nachleben im kolonialen und postkolonialen Zeitalter
Barth hatte ganz im Sinne der bĂŒrgerlichen Fortschrittsideologie des 19. Jahrhunderts die ErschlieĂung Afrikas durch die EuropĂ€er begrĂŒĂt, wobei er die Intensivierung des Handels in beide Richtungen im Auge hatte. Durch die EinfĂŒhrung des so genannten âlegitimen Handelsâ sollte der Sklavenhandel unterbunden werden â zu einer Zeit, als nicht nur amerikanische Ideologen, sondern auch deutsche Gelehrte unter Berufung auf die angebliche rassische Minderwertigkeit der Afrikaner die Sklaverei als eine wirtschaftlich notwendige und sogar moralisch vertretbare Institution verteidigten. FĂŒr Barth war die afrikanische Geschichte nicht zum Stillstand verurteilt, sondern war eingebunden in den allgemeinen menschlichen Fortschritt und dazu bestimmt, dieselben Stufen der Entwicklung zu durchlaufen. Allerdings distanzierte sich Barth spĂ€testens bei der Reflexion seiner Forschungsergebnisse von diesem unilinearen Geschichtsbild und entwickelte eine teilweise heftige Kritik an der europĂ€ischen Intervention in Afrika. Erstes Angriffsziel waren die Missionen, denen er die systematische Zerstörung traditioneller Kulturen und Werte vorwarf. Als Zukunftsvision entwarf Barth ein islamisches Afrika, denn fĂŒr ihn reprĂ€sentierte der Islam eine kulturfĂ€hige Religion. Weiterhin erkannte er, dass er von der britischen Seite missbraucht worden war, als er guten Glaubens mit afrikanischen FĂŒhrern FreundschaftsvertrĂ€ge abgeschlossen hatte. In dem Augenblick, als die britische Seite das Interesse an der Sahara verlor, konnte Frankreich mit militĂ€rischen Mitteln die Vorherrschaft an sich reiĂen. Angesichts dieser Erkenntnis schrieb Barth, dass er sich gut vorstellen könne, mit einer von Scheikh al-Baqqai angefĂŒhrten muslimischen Befreiungsarmee gegen die Kolonialeroberer zu reiten. Diese fĂŒr das 19. Jahrhundert vermutlich einmalige Kolonialkritik wurde von seinen Biographen jedoch systematisch unterschlagen.
Schon bald nach seinem Tod geriet Barth in Vergessenheit. Im kolonialen Zeitalter ab 1884 erwies er sich mit seinen unkonventionellen Ideen und seiner kritischen Haltung gegenĂŒber dem europĂ€ischen Ausgreifen nach Afrika als unbrauchbar. Andere Reisende wie Gustav Nachtigal, Gerhard Rohlfs, Carl Peters und Hermann von Wissmann beherrschten die Schlagzeilen, denn sie hatten Kolonien fĂŒr das Deutsche Reich erworben und militĂ€risch gesichert, wĂ€hrend mit Ausnahme der Königreiche Mandara und Logone keins der von Barth besuchten Gebiete deutsches âSchutzgebietâ geworden war. WĂ€hrend des Nationalsozialismus wurde ihm sogar âRassenschandeâ unterstellt.cite-ref-19[19] Im Zeitalter des Kalten Kriegs geriet der Forscher schlieĂlich zum Zankapfel zwischen der BRD und der DDR, da die bundesrepublikanische AuĂenpolitik Barth als den VorlĂ€ufer der neuen deutschen Afrikapolitik hinstellte, wĂ€hrend die DDR, die um die Anerkennung durch die jungen afrikanischen Staaten kĂ€mpfte, mit der allerdings unrichtigen Behauptung zurĂŒckschlug, Barth sei ein ĂŒbler Imperialist und Rassist und damit ein wirklicher VorlĂ€ufer des âwestdeutschen Neo-Imperialismusâ gewesen.cite-ref-20[20] Beide Sichtweisen waren durch die Politik diktiert und wurden der Bedeutung Barths keinesfalls gerecht.
Barth als VorlÀufer der interdisziplinÀren Afrikawissenschaften
Als bedeutender und richtungsweisender Wissenschaftler wurde Heinrich Barth erst in den 1960er Jahren wiederentdeckt, vornehmlich in GroĂbritannien und in Afrika. Einer der ersten Historiker, die Barths Leistung wĂŒrdigten, war der Ghanaer Albert Adu Boahen, der als erster Afrikaner an der London School of Oriental and African Studies im Fach Geschichte promovierte. Er sah in Barth einen Gegner der kolonialen Eroberung und ĂŒbte in seiner Doktorarbeit heftige Kritik an der britischen Afrikapolitik des 19. Jahrhunderts.cite-ref-21[21] Die Wiederentdeckung des Wissenschaftlers Barth wurde in der Bundesrepublik durch den Geographen Heinrich Schiffers und die Schriftsteller Rolf Italiaander und Herbert Kaufmann eingeleitet. In den vergangenen Jahren ist Heinrich Barth mehrfach Gegenstand von Dokumentarfilmen gewesen, in denen vor allem seine Rolle als Entdecker der Felsbilder und sein Aufenthalt in Timbuktu herausgestellt wurde. Dies geschah mehrfach in vereinfachender, journalistischer Manier und ohne grĂŒndliche Recherche, so dass Barth als ein Abenteurer unter vielen erschien, wĂ€hrend seine Bedeutung fĂŒr die Entwicklung der modernen Afrikawissenschaft unterschlagen wurde, weil es die Autoren nicht interessierte oder weil sie der Ansicht waren, dass diesbezĂŒgliche Informationen fĂŒr die Leser oder Fernsehzuschauer unwesentlich seien.cite-ref-22[22]
Afrikanisten schĂ€tzen an Barth vor allen den interdisziplinĂ€ren Ansatz â die Verbindung von Geographie, ArchĂ€ologie, Geschichte, Sprachwissenschaft und Völkerkunde â und arbeiten heute in diesem Sinne weiter, wenn es auch heute fĂŒr einen einzelnen Wissenschaftler nicht mehr möglich ist, alle Sachgebiete zu ĂŒberschauen. An die Stelle des romantischen Universalgelehrten vom Schlage eines Alexander von Humboldt oder Heinrich Barth sind Teams getreten, die in fĂ€cherĂŒbergreifenden Projekten an Fragestellungen arbeiten, die Barth als erster Forscher aufgeworfen hat. Auch die Mitarbeiter des âSokoto Projectâ an der York University im kanadischen Ontario (Leitung: Alexander S. Kanya-Forstner und Paul Lovejoy) sehen ihre Arbeit ausdrĂŒcklich als Fortsetzung der von Heinrich Barth vorgegebenen AnsĂ€tze mit den Möglichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts.
Erinnerung an Barth
Seit 1988 existiert an der UniversitĂ€t Köln das âHeinrich-Barth-Institutâ, das sich vor allem der Erforschung der afrikanischen FrĂŒhgeschichte im Zusammenhang mit der Klimageschichte widmet und dabei vor allem im Sinne Barths die Erfassung und Auswertung der afrikanischen Felsbilder betreibt.
In Agadez ist in dem Haus, in dem Heinrich Barth vom 9. bis 30. Oktober 1850 lebte, ein kleines Museum eingerichtet. Eine Gedenkplakette erinnert an den ersten EuropÀer, der Agadez betreten hat.
In Hamburg, SaarbrĂŒcken und Euskirchen gibt es Heinrich-Barth-StraĂen.
Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte RuhestĂ€tte von Heinrich Barth auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche seit 1970 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung wurde im Jahr 1997 um die inzwischen ĂŒbliche Frist von zwanzig Jahren verlĂ€ngert.cite-ref-24[24]
Die Barth Bjerge in Ostgrönland wurden von der Zweiten Deutschen Nordpolar-Expedition 1869/70 nach Heinrich Barth benannt.cite-ref-25[25]
Schriften (Auswahl)
âą Corinthiorum commercii et mercaturae historiae particula. Dissertation Berlin 1844. Digitalisat: Volltext in der Google-Buchsuche. (Neuausgabe in deutscher [BeitrĂ€ge zur Geschichte von Handel und Handelsverkehr der Korinth] und englischer Ăbersetzung. Africa Explorata. Monographien zur frĂŒhen Erforschung Afrikas 2. Heinrich-Barth-Institut, Köln 2002, ISBN 3-927688-21-5).
âą Wanderungen durch die KĂŒstenlĂ€nder des Mittelmeeres ausgefĂŒhrt in den Jahren 1845, 1846 und 1847. Berlin 1849 (erster und einziger Band seiner Habilitationsschrift von 1847).
âą Reisen und Entdeckungen in Nord- und Centralafrika. 5 BĂ€nde. Gotha 1855â1858. (Digitalisat: Band 1 in der Google-Buchsuche, Band 2 â Internet Archive, Band 3 â Internet Archive, Band 4 (BSB-MDZ), Band 5 â Internet Archive).
âą (Nachdruck SaarbrĂŒcken 2005: Band 1 ISBN 3-927688-24-X, Band 2: ISBN 3-927688-26-6, Band 3: ISBN 3-927688-27-4, Band 4: ISBN 3-927688-28-2, Band 5: ISBN 3-927688-29-0; Kurzfassung als: Im Sattel durch Nord- und Zentralafrika. 1849â1855. Stuttgart 2003, ISBN 3-86503-253-2).
âą Der Verlorene Sohn in der Sprache von Shetu-nku sefe oder der Azaeriye-Sprache wie sie in Ti-shit gesprochen wird. In: Zeitschrift der Deutschen MorgenlĂ€ndischen Gesellschaft, Band 9. 1855. S. 846â847 (Digitalisat).
âą Das Becken des Mittelmeeres in natĂŒrlicher und kulturhistorischer Beziehung. Hamburg 1860.
⹠Reise von Trapezunt durch die nördliche HÀlfte Kleinasiens nach Scutari im Herbst 1858. Gotha 1860 (Neuausgabe: Barths Reise durch Kleinasien. Ein kommentierter Reisebericht. H. Köhler (Hrsg.), Gotha 2000, ISBN 3-623-00357-3).
âą Reise durch das Innere der europĂ€ischen TĂŒrkei von Rutschuk ĂŒber Philippopel, Rilo (Monastir), Bitolia u. den Thessalischen Olymp nach Saloniki im Herbst 1862. Berlin 1864. (Digitalisat: archive.org). Zuerst erschienen in der Zeitschrift fĂŒr Allgemeine Erdkunde, NF 15 (1863), S. 301â358, 457â538; 16 (1864), S. 117â208
âą Sammlung und Bearbeitung centralafrikanischer Vokabularien. 3 Abteilungen. Gotha 1862â1866.
âą Er schloĂ uns einen Weltteil auf. Unveröffentlichte Briefe und Zeichnungen des groĂen Afrika-Forschers. Hrsg. v. Rolf Italiaander, Bad Kreuznach 1970.
Englischsprachige Ausgaben:
âą Travels and Discoveries in North and Central Africa: being a Journal of an Expedition undertaken under the Auspices of H.B.M.âs Government, in the Years 1849â1855 ⊠5 BĂ€nde. London: Longmans, Green & Co 1857â1858.
âą (US-Ausgabe mit weniger Abbildungen) 3 BĂ€nde. New York: Harper & Brothers, 1859 (Band 1 â Internet Archive, Band 3 â Internet Archive).
âą Travels and Discoveries in North and Central Africa. 3 BĂ€nde. Hrsg. v. Anthony H. M. Kirk-Greene. Cass, London 1967 (Ausgabe in 3 BĂ€nden mit vollstĂ€ndigem Text, herausgegeben vom fĂŒhrenden britischen Barth-Kenner).
Literatur
⹠Julius Löwenberg: Barth, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 96.
âą Albert Adu Boahen: Britain, the Sahara and the Western Sudan, 1788â1861. Oxford 1964 (Immer noch wichtigste wissenschaftliche Untersuchung ĂŒber die FrĂŒhphase der Saharaforschung mit ausfĂŒhrlichem Kapitel ĂŒber Barth und seine BemĂŒhungen zu Gunsten der Afrikaner).
âą Hans-Heinrich Bass, Von der Sahara bis zu den Ufern des Tschadsees. Auf den Spuren von Heinrich Barth in Afrika, in: Damals 3/1995, S. 74â79.
âą Yvonne Deck: Heinrich Barth in Afrika â Der Umgang mit dem Fremden. Eine Analyse seines GroĂen Reisewerks. Magisterarbeit, UniversitĂ€t Konstanz 2006 (Volltext)
âą Mamadou Diawara, Paulo Farias und Gerd Spittler (Hrsg.): Heinrich Barth et lâAfrique. Köln 2006 (Sammelband mit AufsĂ€tzen, die anlĂ€sslich einer wissenschaftlichen Tagung in Timbuktu gehalten wurden).
⹠Heinrich-Barth-Institut (Hrsg.): Zehn Seiten eines Afrikaforschers. Köln 2000.
âą Dietmar Henze: EnzyklopĂ€die der Entdecker und Erforscher der Erde. Band 1. Graz 1975, Stichwort âHeinrich Barthâ, S. 175â183.
âą Ernst Keienburg: Der Mann, der Abd el Kerim hieĂ. Heinrich Barths Forscherleben in WĂŒste und Wildnis. Berlin 1961.
âą Steve Kemper: A Labyrinth of Kingdoms â 10 000 Miles Through Islamic Africa. New York, London 2012.
âą Peter Kremer: Literatur von und ĂŒber Heinrich Barth. In: Heinrich Barth: Corinthiorum commercii et mercaturae historiae particula. In deutscher und englischer Ăbersetzung, Heinrich-Barth-Institut, Köln 2002, ISBN 3-927688-21-5, S. 163â216 (vollstĂ€ndige Bibliographie des Schrifttums bis etwa 2000).
âą Peter Kremer: Africanus. Leben und Reisen des Afrikaforschers Heinrich Barth. DĂŒren 2007.
âą Christoph Marx: Heinrich Barth. In: Ders.: Völker ohne Schrift und Geschichte. Zur historischen Erfassung des vorkolonialen Schwarzafrika in der deutschen Forschung des 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts. Steiner, Stuttgart 1988 (BeitrĂ€ge zur Kolonial- und Ăberseegeschichte; 43), ISBN 3-515-05173-2, S. 9â39 (materialreich, aber ohne tiefgehende Analyse des Scheiterns von Barths Versuch, die Erforschung der afrik. Geschichte akademisch zu etablieren).
⹠Christoph Marx: Von Berlin nach Timbuktu, der Afrikaforscher Heinrich Barth: Biographie. Wallstein, Göttingen 2021, ISBN 978-3-8353-5009-0.
âą Heinrich Schiffers (Hrsg.): Heinrich Barth. Ein Forscher in Afrika. Leben â Leistung â Wirkung. Wiesbaden 1967 (wichtige Sammlung von AufsĂ€tzen, in denen einzelne Aspekte von Barths wissenschaftlicher Arbeit aus neuerer Sicht beleuchtet werden).
âą Heinrich Schiffers: Die groĂe Reise. Dr. Heinrich Barths Forschungen und Abenteuer. Dargestellt von Heinrich Schiffers. Wilhelm Köhler (o. J. [ca. 1955]), Minden (Westf.), 275 S.
âą Walther Schoenichen: Geweihte StĂ€tten der Weltstadt. GrabmĂ€ler Berlins und was sie kĂŒnden. Berlin und Leipzig 1929 (1. Auflage Langensalza 1928).
⹠Gustav v. Schubert: Heinrich Barth. Der Bahnbrecher der deutschen Afrikaforschung. Leipzig 1898 (Lebensbeschreibung aus der Feder von Barths Schwager, die Grundlage aller spÀteren Biografien).
âą Klaus Schroeder: Barth, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 602â603 (deutsche-biographie.de).
âą Karl Rolf Seufert: Die Karawane der weiĂen MĂ€nner. Herder-Verlag, Freiburg/Breisgau 1961.
âą Gerd Spittler: Heinrich Barth, un voyageur savant en Afrique. In: Diawara, Farias, Spittler (Hrsg.): Heinrich Barth. S. 55â68.
âą Stephanie Zehnle / Sarah Benneh-Oberschewen: Eine afrikanische Entdeckung Hamburgs. Die interkulturellen Reisen Heinrich Barths und seiner Expeditionsdiener in Afrika und Europa. In: Kim Sebastian Todzi und JĂŒrgen Zimmerer (Hrsg.): Hamburg: Tor zur kolonialen Welt. Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung. Wallstein, Göttingen 2021 (Hamburger BeitrĂ€ge zur Geschichte der kolonialen Globalisierung; 1), ISBN 978-3-8353-5018-2, S. 355â372.
âą Themenschwerpunkt: Heinrich Barth on Africa. Exploring the Explorer. In: Globalgeschichte/Global History. Bd. 1 (2023), S. 151â243.
Weblinks
Commons
: Heinrich Barth
â Album mit Bildern
Commons
: Heinrich Barth
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Heinrich-Barth-Institut fĂŒr ArchĂ€ologie und Umweltgeschichte Afrikas e. V.
âą Literatur von und ĂŒber Heinrich Barth im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Zeitungsartikel ĂŒber Heinrich Barth in den Historischen Pressearchiven der ZBW
âą Timbuktu â Im Sande verlaufen (Artikel in der FAZ v. 23. Mai 2004 ĂŒber Heinrich Barth in Timbuktu)
âą Bibliographie zur Geschichte Timbuktus und der Forschungsreisen dorthin (Memento vom 12. Februar 2008 im Internet Archive)
âą Digitale Version von Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika in den Jahren 1849 bis 1855
âą Linus LĂŒring: Heinrich Barth â Der vergessene Afrika-Forscher Bayern 2 Radiowissen. Ausstrahlung am 25. Januar 2021 (Podcast)
âą Linus LĂŒring: Heinrich Barth â Der vergessene Afrika-Forscher, Bayern 2 Radiowissen Manuskript der Sendung als PDF-Datei
âą Heide Soltau: 16. Februar 1821 â Geburtstag des Forschers Heinrich Barth WDR ZeitZeichen vom 16. Februar 2021. (Podcast)
âą Staatsarchiv Hamburg Nachlass 622-2/2
âą Heinrich-Barth-Briefedition (ca. 1680 Briefen von, an und ĂŒber Heinrich Barth)
âą Heinrich Barth, Der vergessene Afrika-Forscher, von Linus LĂŒring, RadioWissen auf BR 2 vom 7. November 2023 Manuskript der Sendung als PDF-Datei
Anmerkungen
cite-note-11. â Als Geburtsdatum wird verschiedentlich auch der 18. April (XIV. kal. Maias) angegeben, der so im Lebenslauf seiner lateinischen Dissertation erscheint, wohl ein Fehler des Setzers fĂŒr den 16. Februar (XIV. kal. Martias).
cite-note-22. â Richard Tsogang Fossi: Chronologie und Akteure der Aneignung kamerunischer KulturgĂŒter. In: MikaĂ©l Assilkinga et al. (Hrsg.): Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland. Reimer Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-496-01700-4, S. 85.
cite-note-carl-heitmann-33. â Carl Heitmann: Zeittafel der Geschichte der Hamburger Turnerschaft von 1816: 1816 â 1882. Herbst, Hamburg 1883, S. 6. https://resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN791282244
cite-note-44. â Die beste Ăberblicksdarstellung der Reisen aus geographiegeschichtlicher Perspektive liefert immer noch der Artikel âBarth, Heinrich.â In: Dietmar Henze: EnzyklopĂ€die der Entdecker und Erforscher der Erde. Graz 1978, Band 1, S. 175â183. Barths Forschungen zu den Humanwissenschaften (Geschichte, Linguistik, Völkerkunde) werden hier nur am Rande berĂŒhrt.
cite-note-55. â Siehe dazu das entsprechende Kapitel bei A. A. Boahen: Britain, the Sahara and the Western Sudan 1788â1861. London 1964, S. 181â212.
cite-note-66. â Heinrich Barth: Reisen und Entdeckungen in Nord- und Centralafrika. Gotha 1855â1858 (Nachdruck SaarbrĂŒcken 2005: Band 1, ISBN 3-927688-24-X, S. 210 ff.)
cite-note-77. â Die wichtigsten Passagen der Fatwa sind abgedruckt bei A. A. Boahen: Britain, the Sahara and the Western Sudan. Anhang IV., S. 251 f.
cite-note-88. â ThaddĂ€us Eduard Gumprecht: Heinrich Barth. In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen Nr. 302, 24. Dezember 1854, 3. Beilage, S. 5 (Web-Ressource); Nr. 305, 29. Dezember 1854, 1. Beilage, S. 3 f. (Web-Ressource); Nr. 307, 31. Dezember 1854, 2. Beilage, S. 2 ff. (Web-Ressource).
cite-note-99. â Andreas Molitor, Jenseits des »dunklen Afrika«, In: Die Zeit Nr. 7 vom 11. Februar 2021.
cite-note-1010. â Hans-JĂŒrgen Mende: Lexikon Berliner BegrĂ€bnisstĂ€tten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 239.
cite-note-1111. â Siehe dazu ausfĂŒhrlich A. A. Boahen: Britain, the Sahara and the Western Sudan. S. 213 ff.; und Ralph M. Prothero: Barth and the British. In: Heinrich Schiffers (Hrsg.): Heinrich Barth â ein Forscher in Afrika. Wiesbaden 1967, S. 164â183.
cite-note-1212. â Spittler in M. Diawara, P. Farias und G. Spittler: Heinrich Barth et lâAfrique. S. 56â68.
cite-note-1313. â Gerhard Engelmann: Heinrich Barth in Berlin. In: Heinrich Schiffers (Hrsg.): Heinrich Barth â ein Forscher in Afrika. Wiesbaden 1967, S. 108â147.
cite-note-1414. â Siehe Pekka Masonen: The Negroland Revisited: Discovery and Invention of the Sudanese Middle Ages. Helsinki 2000, S. 397â418. Wir dĂŒrfen hierbei nicht ĂŒbersehen, dass die Historiker um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Mittelalter die bedeutendste Epoche der deutschen Geschichte sahen und Barth die westafrikanischen Königreiche auf dieselbe Stufe stellte wie etwa die Staufer. Dies dĂŒrfte bei vielen seiner deutsch-national eingestellten Fachkollegen auf Ablehnung gestoĂen sein.
cite-note-1515. â Artikel Neger, Negerstaaten. In: J. C. Bluntschli und K. Brater (Hrsg.): Deutsches Staats-Wörterbuch. Band 7, Stuttgart / Leipzig 1862, S. 219â247, spez. S. 219 ff.
cite-note-1616. â Paulo Fernando de Moraes Farias: Barth, fondateur dâune lecture reductrice des chroniques de Tombouctou. In: D. Mamadou, P. Farias und G. Spittler (Hrsg.): Heinrich Barth et lâAfrique. Köln 2006, S. 215â224.
cite-note-1717. â Die neuesten Beziehungen der Franzosen am Senegal zu Timbuktu, Zeitschrift fĂŒr Allgemeine Erdkunde N. F. 16 (1864), S. 517â526.
cite-note-1818. â So etwa die Magisterarbeit von Yvonne Deck: Heinrich Barth in Afrika â Der Umgang mit dem Fremden. Konstanz 2006 (s. unter Literatur).
cite-note-1919. â Barth: Reisen, III, 112â135, 232â257.
cite-note-2020. â Siehe dazu u. a. die Polemik bei Thea BĂŒttner: Afrika. Geschichte von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. Berlin (DDR) 1979, Band 1, S. 307 f.
cite-note-2121. â Der im Jahre 2006 verstorbene Adu Boahen galt international als der profilierteste schwarzafrikanische Historiker neben Joseph Ki-Zerbo.
cite-note-2222. â JĂŒngste Beispiele: Ulli Kulke: Die groĂen Entdecker. Stuttgart 2006, S. 163â174 (mit schlimmen inhaltlichen Fehlern), Rezension
cite-note-2323. â Hans-Heinrich Bass: Von der Sahara bis zu den Ufern des Tschadsees. Auf den Spuren von Heinrich Barth in Afrika. In: Damals, 3/1995, S. 74â79.
cite-note-2424. â EhrengrabstĂ€tten des Landes Berlin (Stand: November 2018). (PDF, 413 kB) Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, S. 3; abgerufen am 27. MĂ€rz 2019. Vorlage â zur Kenntnisnahme â ĂŒber die Anerkennung und weitere Erhaltung von GrabstĂ€tten namhafter und verdienter Persönlichkeiten als EhrengrabstĂ€tten Berlins. (PDF) Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 13/2017 vom 12. September 1997, Abschnitt B); abgerufen am 27. MĂ€rz 2019.
cite-note-2525. â ĂstgrĂžnlandske Stednavne â Fra den fĂžrste kortlĂŠgning (PDF; 12,11 MB). Version 12, Arktisk Institut, Mai 2020, abgerufen am 28. MĂ€rz 2022 (dĂ€nisch).